Der Preis für einen Quadratmeter: Wenn Mieten absurd werden
Für knapp 600 Euro Miete bekommt man gerade einmal acht Quadratmeter. Woran liegt es, dass Wohnraum in vielen Städten so teuer ist? Eine ironische Betrachtung.
Warum sind die Mieten so hoch?
Die Frage nach dem Warum beginnt oft im selben Satz wie die Klage über die exorbitanten Mietpreise. Man könnte meinen, dass die Immobilienpreise in ein Paralleluniversum abgedriftet sind, in dem Quadratmeterpreise von 75 Euro oder mehr keine Seltenheit sind. Ein Grund dafür könnte der unaufhörliche Zustrom von Menschen in die urbanen Zentren sein. Mehr Menschen führen zu mehr Nachfrage, und die Nachfrage treibt die Preise nach oben, als hätten wir es hier mit Kunstwerken auf einer Auktion zu tun, bei denen niemand bereit ist, das Gebot zu senken.
Darüber hinaus kommt eine Infrastruktur, die sich nicht mit der Entwicklung mithält. Versprechungen auf neuen Wohnraum klingen oft wie leere Worte auf einem Wahlplakat. Den letzten freien Raum in einer Stadt zu finden, ist ein bisschen so, als würde man versuchen, den letzten Keks in einer Keksdose ohne Deckel zu ergattern – frustrierend und ungewiss.
Ist es normal, für so wenig Platz so viel zu zahlen?
Normal ist relativ. In einigen Metropolen fühlt es sich an, als würde der Immobilienmarkt das menschliche Bedürfnis nach Lebensraum als Luxusgut betrachten. Acht Quadratmeter für fast 600 Euro? Das ist vergleichbar mit einem hochpreisigen Restaurant, in dem man dafür zahlt, nur einen Blick auf die Speisekarte werfen zu dürfen. Es gibt Menschen, die dies als einen interessanten Lebensstil betrachten, während andere sich fragen, ob es nicht auch eine besser nutzbare Abstellkammer in der Nähe gibt. Man könnte meinen, dass Wohnen nicht nur ein Grundbedürfnis ist, sondern auch die Freiheit beinhaltet, sich nicht wie eine sardinenartige Konsumoption in einer überfüllten Dose zu fühlen.
Wer kann sich das leisten?
Die Frage der Leistbarkeit scheidet die Geister. Manch einer könnte argumentieren, dass dies nur den vermögenden Millennials oder den gut situierten Rentnern vorbehalten ist, die das Glück hatten, in einer Zeit zu leben, in der alles noch bezahlbar war. Haben wir nicht alle einen Freund, der über die neuesten Trends im Bereich "Tiny Living" referiert, während er in einer 25 Quadratmeter großen Wohnung lebt und den Rest seines Geldes für einen Designer-Stuhl ausgibt?
Wohnen ist in einer solchen Marktsituation nicht nur eine Frage des Geldbeutels, sondern auch des sozialen Status. Derjenige, der in einer Szene-Wohnung ohne Geruchsbelästigung lebt, hat in der Gesellschaft einen speziellen Platz – auch wenn dieser Platz gerade mal acht Quadratmeter groß ist.
Welche Alternativen gibt es?
Wenn der Wohnungsmarkt so bleibt, wie er ist, stellen sich einige die Frage, ob es nicht besser wäre, in den Umlandgemeinden oder gar in den eigenen vier Wänden zu leben. Die Mieten dort sind in der Regel humaner und man kann noch eine Vorstellung davon gewinnen, was "Raum" bedeutet. Aber wer möchte schon auf die Annehmlichkeiten einer Großstadt verzichten?
Einige wagen sich sogar an die Idee von Gemeinschaftswohnprojekten oder Coliving-Arrangements. Wer einen Raum von acht Quadratmetern in einer WG bewohnt, hat immerhin die Möglichkeit, seine Nachbarn auch in der Küche zu ertragen. Da teilen sich die Mietkosten und man könnte mit etwas Glück auch noch einen Balkon abgreifen – als wäre man Teil einer Farbenlehre von Wohnkonzepten.
Wie sieht die Zukunft der Mietpreise aus?
Die künftigen Mietpreise scheinen wie ein Lotteriespiel zu sein, bei dem die Teilnehmer auf einen Gewinn hoffen, der sich als Illusion erweist. Ob es jemals eine Rückkehr zur Normalität in den Preisen geben wird, lässt sich nur erahnen. Vielleicht müssen wir uns mit der Vorstellung anfreunden, dass Mieten in den nächsten Jahrzehnten weiterhin Ausmaße annehmen, die an Monetarisierung von Raum grenzen.
Ein Leben in acht Quadratmetern für 600 Euro mag in echten Lebensfragen kleben, aber es ist auch ein Spiegel unserer modernen Gesellschaft und deren Wertschätzung für „den urbanen Lifestyle“. In einer Welt, in der das Wohnen zum Spektakel wird, könnte sogar ein gebuchter Platz in einem engen Wohnraum das neue Statussymbol sein.